|
Herzlich Willkommen, liebe Musikfreunde!
Es ist mir ein ganz besonderes Vergnügen, Sie bei uns im Orchester begrüßen zu dürfen. Ich möchte ihnen gerne ein wenig von uns und von mir erzählen. Beginnen wir mit den Anfängen.
Am 28. März 1962 wurde ich als einzigstes Kind von Lini und Ludwig Müller in Roth geboren. Kurz darauf entschlossen sich meine Eltern, wieder in unseren schönen Heimatort Solnhofen zurückzukehren. Dort besuchte ich 6 Jahre lang die Grund- und Hauptschule, anschliessend die Realschule, welche ich mit der mittleren Reife abschloss. Als ich acht Jahre alt war, begann mein Akkordeon-Unterricht bei Leonhard Schauer. Etwas später spielte ich mit großer Freude im Orchester mit. Nach meiner Schulzeit absolvierte ich eine Lehre zur Industriekauffrau. (Eigentlich waren damals meine beruflichen Wunschziele die Begleitung pflegebedürftiger Menschen, oder ein Musikstudium am Konservatorium in Trossingen, was mir leider aus familiären Gründen nicht ermöglicht wurde.) Anschliessend arbeitete ich einige Jahre im Büro eines Natursteinbetriebes. Die Büroarbeit schmeckte mir nicht besonders. Trotzdem besuchte ich in Abendkursen eine Schulung zur Sekretärin und erhielt mein Diplom in Schwabach.
Noch bevor ich meine Berufsausbildung abschloss, keimte in Herrn Schauer der Wunsch auf, dass ich einmal das Akkordeonorchester dirigieren - also seine Nachfolge antreten sollte. Kurzum wurde ich in Hammelburg u. Erlangen zu diversen Dirigentenlehrgängen angemeldet. Ich übte die verschiedenen Schlagübungen vor dem Spiegel. Aus anfänglichen, stockenden Verrenkungen, über die ich selbst lachen musste wurden nach einiger Zeit doch recht ordentliche Schlagbilder. Die Lehrgänge in Hammelburg u. Erlangen durfte ich somit erfolgreich abschliessen. Der große Tag kam - ich durfte erstmals das Akkordeonorchester dirigieren. Ich werde nie vergessen, wie aufgeregt ich war - die ersten Proben - und das mit dem Erwachsenen- Orchester (Die Spieler teilweise älter als ich). Das Orchester nahm mir die Bedenken mit den Worten, “das machen wir schon,wirst sehen, das klappt schon”. Plötzlich bemerkte ich, dass das Orchester mich dirigierte. Sie machten ihr Tempo u. ich versuchte “hinterherzufuchteln”. So konnte das nicht weitergehen. H. Schauer machte den Vorschlag, Dirigentenlehrgänge an der Bundesakademie in Trossingen zu besuchen. Trossingen? - Trossingen? - Ich nach Trossingen?!! Jetzt ging doch noch ein Traum in Erfüllung - allerdings in der kleineren Version. Überglücklich trat ich als 17- jährige die Zugfahrt nach Trossingen an. Wir erlebten eine sehr schöne, lehrreiche Woche (mein Akkordeon u. ich). Ich bekam viele wertvolle Tipp`s und lernte Dinge von denen ich noch keine Ahnung hatte. Der Abschied von Trossingen viel mir schwer - aber es sollten noch viele, viele Osterarbeitswochen für mich geben, wo ich mich so richtig daheim und angenommen fühlte. Dort durfte ich viele Gleichgesinnte kennenlernen und es entstanden schöne Freundschaften - Ich denke gerne zurück.
Die Orchesterarbeit zuhause fruchtete und machte ungemein Spaß. Ich durfte zunächst die Leitung des Kinderorchesters übernehmen und unterrichtete auch einen Teil unseres Akkordeonnachwuchses. Schliesslich wurde mir die Leitung des Orchesters von H. Schauer übergeben und etwas später auch die übrigen Schüler.
Im Laufe der Jahre wuchsen wir immer enger zusammen. Eine unvergleichlich gute Kameradschaft, besondere Fürsorge und Anteilnahme untereinander zeichnet uns bis heute noch aus. Die Bereitschaft, die Musikstücke einzuüben, welche ich aus Trossingen mitbrachte war enorm groß - obwohl es nicht immer für Jedermanns Geschmack war. Unser Repertoire und unsere musikalischen Leistungen wuchsen und wuchsen - aus fast jeder Musikrichtung war etwas dabei. Die Leistungsfähigkeit des Orchesters lassen wir mit der Oberstufe enden, alles was darüber hinaus geht (Kunststufe) liegt nicht mehr in unserem Interesse. Das hat einen ganz besonderen Grund: Wir haben Freude am Musizieren und geniessen unsere Gemeinsamkeit. Hohe Ziele zu setzen bedeutet Stress - und den haben wir im Beruf schon zur Genüge. Wir erfreuen uns an schönen, rhythmischen, auch klassischen, romantischen u. witzigen musikalischen Passagen.
Unsere Orchesterproben sind voller Humor - wir lachen viel. Nähert sich der Konzerttermin ändert sich natürlich der Charakter der Proben und die “Chefin” zieht die Zügel straffer - aber nur ein bisschen. Für meine Spieler und mich bedeutet unsere gemeinsame Arbeit: “Loslassen vom Alltag, Sorgen für eine Weile vergessen, Energie tanken...”. Geht es einmal einem Mitglied im Orchester nicht so gut, so sind die anderen da, um ihn zu trösten, zu helfen, zuzuhören. Wir sind halt eine besondere “Familie”. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung und versuchen deshalb, für alle eine akzeptable Lösung zu finden - was auch immer klappt.
1985 habe ich “unglücklich” geheiratet, um 1993 wieder “glücklich” geschieden zu werden. Das wertvollste aus dieser Zeit sind meine beiden wundervollen Söhne Maik und Markus. Fleißig bildete ich weiterhin unseren Akkordeonnachwuchs aus. 1997 entschloss ich mich, mein Leben umzukrempeln. Meinen bisherigen Beruf wollte ich absolut nicht mehr ausüben um meine kleine Familie ernähren zu können. So wurde ich nach drei Jahren der Ausbildung eine glückliche “Altenpflegerin”. Danach erfolgte die Weiterbildung zur Pflegefachkraft für Gerontopsychiatrie. Nach all diesen Jahren hatte ich nun doch endlich meinen Traumberuf. Dies hatte allerdings zur Folge, dass ich meine Schüler nicht mehr unterrichten konnte (aufgrund des Wechselschicht- Dienstes). Maria, Traudl und Sandra übernahmen nun gerne diese Aufgabe. Mein Orchester allerdings gebe ich nicht so schnell aus den Händen. Es bereitet mir nach wie vor große Freude mit meiner musikalischen Familie zu arbeiten.
Jetzt wünsche ich Ihnen noch viel Vergnügen auf unseren Seiten und würde mich freuen, Sie auf einem unserer nächsten Konzerte begrüßen zu dürfen.
Alles Liebe und Gute für Sie,
|